Sommerkinder.

Herzlich Willkommen und guten Abend  ihr Banausinnen und Banausen,

tatsächlich war schon für letzte Woche ein Beitrag geplant. Was sage ich da? Ein Beitrag? Nein, hunderte, tausende, abertausende. Oder auch nur zwei. Aber ich konnte mich nur schwer aufraffen. Manchmal ist der Gang von Bett zu Kühlschrank schon anstrengend, dabei ist es mein tägliches Workout. Und nach meiner letzten Woche ist das vollkommen nachvollziehbar – etwas mehr Verständnis, bitte! Ohne etwas vorweg nehmen zu wollen, hier die wichtigsten Fakten: Ich bin zurück in Malmö. Nach einer turbulenten letzten Woche sitze ich nun wieder in meinem altbekannten und heiß geliebten Zimmer. Und abgesehen von meinem sengenden Sonnenbrand (Achtung: Alliteration) geht es mir gut.

Wie zu erwarten und erwünscht, hat mein Vorstellungsgespräch letzte Woche meine Welt nur bedingt auf den Kopf gestellt. Erwünscht? Ja, erwünscht. Obwohl ich mein Leben als Studentin früher oder später hinter mir lassen muss, bin ich froh, dass mein Abschied nicht ganz so rasant verläuft. Außerdem haben mich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter meines wunderbaren Hostels in Konstanz vor besagtem Unternehmen gewarnt – Arroganz und Überheblichkeit lägen wohl an der Tagesordnung. Selbstverständlich verlasse ich mich nur ungern auf Hörensagen (Sina Holmes, ich begrüße sie!) und habe mich von diesem Sachverhalt selbst überzeugt. Die Frau von heute (und gestern und vorgestern) wird häufig darauf hingewiesen, dass bei einem romantischen Treffen (zu Neudeutsch auch Date) mit einem potentiellen Anwärter auf den Thron frau auch darauf achten soll, wie besagter Partner das Personal behandelt – denn früher oder später wird frau ähnlich behandelt. Wieso dieser Gedankensprung? Ich kläre auf. Während eben jener Rat veraltet sein mag, so befinde ich, dass dem grundsätzlich auch etwas Wahres beiwohnt. Allerdings nicht mehr nur auf zwischenmenschlicher Ebene, sondern auch in der Beziehung zwischen Unternehmen und Bewerberinnen und Bewerbern. Und eben meinem Konstanzer Hostel.

Wahrscheinlich ist mein Geschwafel nach wie vor zu konfus. Ich versuche mich klarer auszudrücken: Oben erwähntes, aber nicht namentlich genanntes, Unternehmen hat mich nach zwei vorherigen Vorstellungsgesprächen, inklusive eines Tests, zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Sicher, nicht mein Traumjob, aber frau muss realistisch bleiben – und nach zwei Gesprächsrunden und der Aussage, dass ich ab 01. Juni zur Verfügung stehen muss im Falle einer Zusage, wurden meine Hoffnungen und Erwartungen entsprechend hoch geschraubt. Und mein Geldbeutel sowie meine Kreditkarte belastet, weil ich holper-di-stolper einen Umzug nach Deutschland in Betracht ziehen musste. Um eine lange Geschichte, gleichsam ein Märchen, dessen Ablaufdatum erreicht wurde, kurz zu machen: Ich habe besagte Position nicht bekommen. Nicht, weil ich ein komplettes Desaster war. Oder ungeduscht. Gründe, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Aber nein. Der Grund der Absage war, – Achtung – dass mir “operative Erfahrungen in Krisenregionen fehlen.” Alles schön und gut (und nachvollziehbar, keine Frage,) aber diese Information ist aus meinem Lebenslauf deutlich ersichtlich. Auch, dass ich keine militärische Ausbildung habe oder Regionalwissenschaften studiere. Wieso also wurde ich eingeladen, wenn doch grundlegende und notwendige Voraussetzungen nicht erfüllt werden? Sicher, das mögen häufig verwendete und abgenutzte Floskeln sein – daher mein Tipp: Ehrlich währt bekanntlich am längsten.

Womöglich mag ich etwas verbittert klingen, aber ich gestehe, dass ich mit der Absage selbst sehr gut klar komme. Allerdings nicht damit, dass ich die Anreise sowie potentiellen Umzugskosten unnötigerweise übernehmen musste, nur weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eben jenes Unternehmens es nicht geschafft haben einen Lebenslauf zu lesen. Ich mag eine Vertreterin der berühmt-berüchtigten Generation Y sein, aber das gibt einem Unternehmen noch lange nicht das Recht, mich (und ich befürchte leider auch meine Mitbewerberinnen und Mitbewerber) wie den – entschuldigt die Sprache – letzten Dreck zu behandeln. Ich bin oder war Studentin. Ich finanziere mich (meistens) selbst. Ich habe kein reiches Elternhaus, das mir jeden Wunsch von den Augen abliest und mir artig die Scheine zusteckt. Oder wahlweise die Karte glühen lässt. Ich beschwere mich nicht – ich mag mein Leben genauso wie es ist und bin dankbar, dass meine Familie meine Entscheidungen unterstützt. Während meines Gesprächs wurde ich gefragt, ob ich bereit sei in der Privatwirtschaft meine Seele zu verkaufen – ich habe verneint (auch, weil ich das Konzept einer Seele nicht nachvollziehen kann oder will.) Aber ich verstehe die Frage jetzt: In eben jenem Unternehmen kann von einer hypothetischen Seele nicht mehr viel übrig sein. Und sollte es nun jemand auch nur wagen einen positiven Erfahrungswert anzudeuten – geht, lauft, rennt. So schnell euch eure Beinchen tragen. Ich finde euch trotzdem. Das einzig positive aus diesem Debakel sind die Bilder an Bord der Fähre beim Verlassen von Konstanz.

Puh. Ich bin froh, dass ich das vom Leder gelassen habe. Womöglich scheint alles etwas durcheinander – aber glaubt mir, dass ist nichts im Vergleich zu dem Chaos in meinem hübschen, aber vergleichsweise großen, Köpfchen. Wie bereits erwähnt: Von der Absage selbst habe ich mich schnell erholt. Das Grinsen auf meinem Gesicht nach Verlassen des Gebäudes dürfte Beweis genug sein. Zwar bin ich extrem sauer und beweine den Verlust eines kleinen Vermögens, aber insgesamt waren meine letzten Tage ziemlich gut, besser, fabelhaft. Vier Tage mit dem Brasil Boy und meiner heiß und innig geliebten Alex im wunderbaren Berlin. Danach ein Wochenende mit dem BB in Malmö, Schweden. Inklusive Strand und Sonnenbrand (Achtung: der Reim ist unbeabsichtigt. Nichtsdestotrotz ziemlich schnittig). Und nun? Bin ich zurück in Schweden und genieße die letzten Züge meines Studierendenlebens. Liege in der Sonne, um den satten Rotton meiner Haut langfristig zu behalten. Und da sag einer, dass die Generation Y keine Ziele mehr hat!

# overandout

PS: Falls zukünftige potentielle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber diesen Beitrag lesen und angstvoll meine Bewerbung verschwinden lassen – keine Sorge: ich bin nur ehrlich und erwarte zumindest ein Minimum an Respekt. Das mag zu viel verlangt sein. Oder auch nicht.

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