Erwachsen werden.

Guten Tag ihr süßen Fischfrikadellen (ich werde immer einfallsreicher),

womöglich verrät der Titel schon worum es heute gehen soll. Und ja, mir ist bewusst, dass mein letzter Eintrag schon gut und gerne drei Wochen zurück liegt. Aber es ging einfach drunter und drüber – ich berichte gerne in allen Einzelheiten davon. Nur nicht heute. Denn heute soll es um das Erwachsen werden gehen. Der Ernst des Lebens beginnt. Nach fünf Jahren zwischen Schule und Arbeit, einer Blase aus Universität und Halbernst, soll diese nun platzen. Extrem metaphorisch (=bildlich) und philosophisch und übertrieben. Aber da ich in knapp zwei Stunden ein Vorstellunsggespräch habe, das womöglich mein Leben, wie ich es bisher kennen und lieben gelernt habe, auf den Kopf stellt, stehe ich, gelinde ausgedrückt, kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Und die drei Tassen Kaffee helfen nur bedingt.

Lasst uns von vorne beginnen – ich rolle das Feld nur ungern von hinten auf. Vor zehn Tagen habe ich meine Masterarbeit abgegeben und einen Ausflug gemacht (dazu in einem anderen Beitrag mehr.) Und vor vier Tagen habe ich meine Arbeit erfolgreich verteidigt. Noch weiß ich nicht, ob und wie ich bestanden habe – aber ich will den Teufel nicht an die Wand malen. Kurz und knackig: Mein Studium in Schweden scheint beendet. Ich habe sogar meinen Abschied gefeiert. Wenn Pizza essen als Abschiedsparty durchgeht.

Vor drei Tagen bin ich zurück nach Deutschland gezogen. Wo in Deutschland? Und wieso so holper-di-stolper? Ich hatte ja gesagt, dass es drunter und drüber ging. Und ein Ende scheint nicht in Sicht. Eventuell bin ich etwas überfordert mit allem. Erwachsen werden ist gar nicht so einfach, vor allem nicht wenn man gerne in seiner Blase aus Uni und Halbernst bleiben möchte. Und sich einfach nur unter der Bettdecke vor dem Ernst des Lebens verstecken will.

Zurück zum Thema: Mein Umzug nach Deutschland verlief nur bedingt wie geplant. Obwohl ich einen Teil meiner Besitztümer in Schweden auf den Weg gebracht habe (und ein kleines Vermögen gezahlt habe, aber das nur am Rande), bin ich trotzdem mit zwei riesigen Taschen und einer Auswahl an Handgepäck zum Flughafen nach Kopenhagen aufgebrochen. Mit Muskelkater und etwa einer Stunde Verspätung bin ich in Köln gelandet. Dort der nächste Schreck (man sagt ja immer gerne, dass ein Schrecken nur selten alleine kommt – oder?): obwohl ich viel zu früh für meinen Bus nach Frankfurt am Flughafen bin, scheint dieser ohne mich abgefahren zu sein. Dachte ich. Weswegen ich einen Ersatzbus gebucht habe. Zehn Minuten später taucht mein eigentlicher Bus auf. Überfüllt, zu spät und müffelnd (und das ist eine Untertreibung höchster Güte) finde ich einen Platz. Und stehe dann für knapp vier Stunden im Stau, weil ein Auto brennt. Oder ein Lkw. Jedenfalls, es brennt etwas.

Nachdem ich nach gefühlt dreihundert Stunden (zugegeben: es waren wahrscheinlich eher sechs [hihi]) endlich in Frankfurt ankomme, schwinge ich mich, ganz Luxus, in ein Taxi und klingle Saida aus dem Bett. Ach, meine geliebte Saida. In all dem Stress waren die 1,5 Tage bei ihr einfach nur beruhigend. Und schön. Es tut immer gut zu wissen, das man solche Freundinnen hat. Auch, weil ich einen Teil meines Gepäcks einfach bei ihr zwischengelagert habe. Übrigens: Ich kann die Burger bei Der Fette Bulle nur wärmstens empfehlen. Und wer auf seine Linie achten will, sollte unbedingt auf die Süßkartoffel-pommes  zurückgreifen. Ich bin ein Fan.

Und nun? Sitze ich in Konstanz und warte auf meinen Gesprächstermin. Um zehn Uhr musste ich aus meinem Zimmer auschecken. Ich sitze also im Eingangsbereich und genieße einen Kaffee nach dem anderen – quasi meine Daseinsberechtigung. Kurz gesagt: Es waren stressig Tage und, ganz egal wie dieses Gespräch heute verläuft, es wird nicht weniger stressig. Wie gesagt: Ich bin überfordert und das auf ganz vielen Ebenen. Und der Kaffee lässt mein Herz zusätzlich rasen. Trotz Masterabschluss (okay, ja, ich weiß, noch nicht offiziell) keinen Meter schlauer. Noch schöner ist nur, dass eben eine Schulklasse eincheckt. Kinder finde ich ja ganz wunderbar, vor allem in so großen Mengen.

Ich bin nervös. Und sollte wohl versuchen mich zu beruhigen. Wird schon alles gut gehen. Und solange es nicht rückwärts und bergab läuft, läuft es. Und bis dahin nutze ich noch schön weiter die Gastfreundschaft des Aqua Hotel & Hostels aus – und trinke artig meinen Kaffee.

#overandout

PS: Es scheint, als sei jeder Song (Achtung: Anglizismus, zu Deutsch auch häufig Lied) im Radio genau passend auf meine Situation zugeschnitten. Treibt mir die Tränen in die Augen. Ihr kennt das. Aber ja, big girls don’t cry – Erwachsen werden ist echt so dumm.

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