August Teil 1 oder:

Välkommen till Sverige!

Meine lieben Leserinnen und Leser, solltet ihr denn existieren,

ich entschuldige mich von Herzen. Tatsächlich war ich nicht nur eine Woche, nicht nur zwei Wochen, sondern ganze 16 (SECHZEHN) Tage im Untergrund verschollen. Und mit Untergrund meine ich mein beschauliches Dorf. Und mit verschollen meine ich mein Bett.

In den letzten Stunden, Tagen, sogar Wochen (shame on me! [Achtung: Englisch, zu Deutsch: Schande auf mein Haupt] ist einiges passiert: Die letzten Tage in Brasilien mit dem BB (wovon ich aber nicht mehr viel weiß, ihr bleibt also heute ausnahmsweise von Romantik und Kitsch verschont), der Rückflug mit Umweg über Miami (hier packe ich womöglich die ein oder andere Kamelle aus) und, letztendlich, meine Vorbereitungen und meine Reise nach Malmö, Schweden, mein neuestes Projekt, Abenteuer, Anwandlung, nennt es wie ihr wollt.

Womit soll ich anfangen? Die letzten Tage mit dem BB waren angenehm bis heiter-sonnig, während der Abschied ein wahrer Regenbruch war. So viel dazu, bei dem Thema springt meine Laune nach wie vor von der Brücke.

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Wie finden wir eine lange Pause?
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Und wenn wir uns wiedersehen?

Sprechen wir also lieber über meine Flüge, einen brasilianischen Flughafenangestellten mit fragwürdigen Ansichten und eine hysterische Passagierin, die kurz vor Erreichen des Europäischen Kontinents einen anderen Weg präferiert. Es gab einen brasilianischen Flughafenangestellten mit fragwürdigen Ansichten (in weiten Teilen Deutschlands sicher gern gesehen, bis auf die Tatsache natürlich, dass er ein Ausländer [ich mag dieses Wort gar nicht!] wäre), der meinen Sitz, trotz oder wegen einer ausufernder Debatte bezüglich seiner fragwürdigen Ansichten, geupgradet (Achtung: Neologismus + Anglizismus) hat.

Die Aussicht vom guten Sitz.
Die Aussicht vom guten Sitz.

Und ja, es gab eine hysterische Passagierin, die zu allem Unglück neben mir saß und sich – ja, ihr ahnt es schon – auch neben mir übergeben hat. Und die Flugbegleiterinnen und -begleiter vier Stunden vor Landung fragen wollte, ob es von Miami nach Frankfurt nicht einen anderen Weg gibt. Selten so gelacht. Trotzdem bin ich froh und munter (mehr oder weniger) in Deutschland, Frankfurt, Heidelberg und dann, letztendlich, nach kurzen 35 Stunden, in Reichartshausen, meinem pittoresken Dörfchen, angekommen.

Doch, wie zuvor schon angekündigt, waren die letzten neun Tage in Deutschland schon verplant – in nur neun Tagen sollte ich meinen Umzug nach Schweden, dem Land von Pippi Langstrumpf und ihren zwei nervigen Freunden, dem Land von Abba und Ikea, Köttbullar und Malm-Regalen, vorbereiten. Logisch, dass ich die ersten drei Tage durchgeschlafen habe, natürlich nur, um mich danach voller Elan und kopfüber in die Vorbereitungen zu stürzen. In etwa. Manchmal habe ich auch gegessen. Oh, und gefeiert. Das aber nur, um auch tatsächlich drei Tage durchschlafen zu können, selbstverständlich.

Mädchens.
Mädchens.

Tatsächlich waren auch die letzten sechs Tage in Deutschland weniger stressig als ich euch gerne glauben lassen möchte. Und auch, als ich erwartet habe. Also abgesehen davon, dass das Auto meiner Mama den Geist aufgegeben (zugegeben: im passenden Augenblick, meine Besorgungen waren nämlich tatsächlich schon erledigt – keine Sorge: Das Auto läuft auch wieder.) und auch mein geliebter Laptop, der so viel erlebt und gesehen hat, sich ins Jenseits verabschiedet hat. Aus diesem Grund konnte ich mich sechzehn ganze Tage nicht melden. Weil ich genau wusste, dass mein Laptop zwei Tage vor Abreise streikt. Das macht keinen Sinn und das ist egal. Inzwischen habe ich einen neuen Laptop, der mir treu zur Seite steht und einen Namen verdient: Karl. K steht für cool. Neben Karl habe ich mir auch – endlich – einen USB-Stick zugelegt. Und direkt am gleichen Tag, inklusive des kompletten Inhaltes meines alten Laptops,verloren. Verlegt ist wohl das passende Wort: Nachdem nämlich meine Mama und ich ihre Wohnung und mein inzwischen gepacktes Gepäck Kopf gestellt habe, fiel mir mein Stick heute aus meiner Handtasche entgegen. Eine große Handtasche birgt eben auch große Verantwortung. Und viele Geheimnisse in ihren Tiefen. Unter anderem einen USB-Stick. Der, aufgrund seines unangekündigten Fernbleibens, keinen Namen verdient.

Und nun? Sitze ich auf meinem Bett in Malmö. Nach 18 Stunden in Bus und Bahn (zugegeben, es war nur Bus und Fähre), über Stock und über Stein (und Meer) habe ich mein neues Zuhause erreicht. Mit zwei Koffern, zwei Taschen und einem Kissen. Wahrlich abenteuerlich und wahrlich schmerzhaft, aber Muskelaufbau vom Feinsten. Trotz Zwischenstopp in einem beliebten Schnellrestaurant im wunderschönen Hamburg. Meine Taschen sind inzwischen ausgepackt, mein Zimmer wirkt heimelig und ich stehe nun vor der Frage, wo ich den Inhalt meines riesigen Pakets verstauen soll, das diese Woche aus Deutschland eintrifft. Eintreffen sollte, man soll den Tag schließlich nicht vor dem Abend loben. Da fällt mir noch ein weiteres Schmankerl ein: Auf der Fähre wurde ich tatsächlich für eine waschechte Schwedin gehalten. Ich habe es als Kompliment aufgefasst, denke ich. Ich wurde auch für 18 gehalten. Da war ich mir nicht sicher – bin ich schon in dem Alter, dass ich mich freuen kann und muss, wenn ich jünger geschätzt werde? Ich denke nicht.

Mein erster Eindruck von Schweden? Warm und windig. Die Sonne lacht (inzwischen nicht mehr, weil Abend) vom Himmel. Morgen wage ich mich in die Wildnis – und mit Wildnis meine ich den Großstadtdschungel, der sich Malmö nennt. Scherz beiseite.

Malmö, Sonntag, die Frisur sitzt.
Malmö, Sonntag, die Frisur sitzt.

Bis dahin: Adjö! (Ich glaube, dass ich mich mit der Sprache anfreunden kann – sie sieht so süß aus!)

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