Juli Teil 2 oder:

To infinity and beyond. (Buzz Lightyear)

Okay okay, zugegeben, Unendlichkeit mag womöglich etwas übertrieben sein, aber was solls? Bevor wir hier nun endlich durchstarten, erst einmal ein großes Hallo und Willkommen zurück an mich und euch, meine ehrfurchtsvollen Leserinnen und Leser. Acht Tage seit meinem letzten Beitrag. Obwohl ich eine mehr oder minder existente Regelmäßigkeit versprochen hatte und mir auch vorgenommen habe, mich mindestens einmal pro Woche literarisch zu ergießen, hat das – wie ihr seht – wieder einmal wunderbar funktioniert. Dementsprechend stoße ich auch eine Drohung aus: Dieser Beitrag wird lang und langatmig und erfordert einen langen Atem. Genug der Wortwitze. Wo soll ich nur beginnen? Am besten beschreibe ich meine aktuelle Umgebung und rekonstruiere dann alle Ereignisse, die mich in eben jene Lage gebracht haben, chronologisch. Wieder einmal sitze ich auf Andrés Bett. Wer ist André und wo steht dessen Bett? André, auch bekannt als Brasil Boy (Achtung: Englisch, zu Deutsch: Brasilianischer Junge) oder eben nicht, und sein Bett sind, wie es der Zufall (und eventuell auch der Spitzname) so will, in Brasilien stationiert. Wie also bin ich nach Brasilien gekommen und was hat sich seit meiner Ankunft, die immerhin schon letzte Woche war, getan? Nun, die erste Frage lässt sich wohl recht einfach beantworten: Da Brasilien weder eine Auto- noch Zug- noch Busfahrt von Deutschland entfernt sind, bietet sich nur ein Schiff oder ein Flugzeug an. Um bei den gängigen Verkehrsmitteln zu bleiben. Obwohl ich noch nie eine längere Schifffahrt unternommen habe, befürchte ich doch, dass ich seekrank werden würde. Einen schwankenden Boden kann ich schon auf Land nur schlecht verkraften, daher befürchte ich auf See schlimmeres. Daher habe ich eine Flugreise gebucht – auch wenn die Dauer bei beidem vermutlich ähnlich wäre, da ich, Sparfüchsin, die ich bin, mich für einen etwa tausendstündigen (Achtung: Übertreibung) Umweg und Aufenthalt entschieden habe.

Etappe, die erste: Motiviert, geschönt, #nofilter.
Etappe, die erste: Motiviert, geschönt, #nofilter.

Doch starten wir mit der Stunde 0 meiner Odyssee: Dienstag, 07. Juli, 2015. Die Sonne lacht. Die Sonne lacht mich aus, um 5:30 am Morgen in meinem wunderschön, nach Kuh riechendem, aber pittoreskem Dorf. Die Frisur sitzt. Bus, der erste, verspätet sich um wenige Minuten. Minuten, die den Ausschlag geben könnten oder eben auch nicht. Immerhin sollte ich dreißig Minuten vor Abfahrt des nächsten Busses Heidelberg erreichen. Die erste Etappe der Reise ist geschafft und, zu meiner Freude, fährt auch der zweite Bus pünktlich ab. Und steht im Stau. Angekommen am Flughafen, mit einer halbstündigen Verspätung, aber immerhin angekommen, beginnt der wahre Stress: Da mein Flug nach Brasilien durch einen Aufenthalt in Miami, USA, unterbrochen wird, muss ich mich einigen mehr oder minder angenehmen (und angebrachten) Fragen stellen. Müsste ich, wenn ich mein Terminal direkt finden würde. Habe ich aber nicht. Nachdem ich also schon am ersten Flughafen alle Stressphasen durchlaufen habe (Motivation, Wut, Aggression, Verzweiflung, Aggression, Aggression, den Tränen nahe, Aggression) und vollkommen verschwitzt an meinem Terminal und Gate ankomme, den Sinn der mir gestellten Frage hinterfrage, trotzdem alle wahrheitsgemäß beantworte (“Haben Sie vor an terroristischen Aktivitäten teilzunehmen?” – “Eeeeeeehm…nein?!”), stelle ich fest: Mein Flug startet nicht wie geplant, sondern erst zwei Stunden später. Aus zwei wird drei, aus drei wird dreieinhalb. Obwohl mein Aufenthalt in Miami sechs Stunden beträgt, zum Umsteigen also massig Zeit bleiben sollte, bin ich der Verzweiflung und einem Sprung aus dem Flugzeug nahe – ihr hört richtig: 1.5 Stunden waren wir im Flugzeug ohne weitere Informationen bezüglich unseres Fluges. Da fühlt man sich doch direkt wohler. Ankufnt in Miami. Die Frisur sitzt..mehr oder weniger. Trotz vorheriger Horrorgeschichten (hauptsächlich von unseren heißgeliebten Suchmaschinen), ließ sich das Umsteigen in den USA überraschend einfach handhaben. Schlendern zur Grenzpolizei, sich neben Fingerabdrücken und Fotos über Brasilien austauschen (der Grenzpolizist war der Auffassung, dass Brasilien für ein alleinreisendes Mädchen, auch noch blond  [seine Worte, nicht meine] viel zu gefährlich sei – habe ich ihn doch glatt mal aufgeklärt), Tasche holen und von riesenhaftem Hund beschnuppern lassen, zum Zoll und darüber diskutieren, ob Spätzle ein Gefahrengut sind, Tasche wieder weg und ab zum nächsten Gate. Das kurz vor Abflug noch einmal geändert wurde, aber hey, was wäre das Leben ohne ein bisschen Risiko. Nachdem mein Abflug in Frankfurt so reibungslos gelaufen ist (Achtung: Ironie), konnte mich, glaube ich, nur noch wenig in Panik versetzen.

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Miami heißt mich in Friede und mit Liebe (ich Scherzkeks) willkommen.

Der Flug nach Sao Paulo verlief, vergleichsweise, perfekt. Vielleicht auch zu perfekt: Mein Aufenthalt am Flughafen belief sich sowieso schon auf zwölf Stunden (jajaja, blablabla, ich hätte zu Andrés Cousine in die Stadt fahren können, hätte die Stadt anschauen können, hätte hätte Fahrradkette – wollte aber keinen unnötigen Stress. Und das bedeutet “Reisen” in Sao Paulo: Stress.), nachdem mein perfekter Flug von Miami nach Brasilien jedoch eine Stunde zu früh angekommen ist, wurde eine weitere Stunde hinzugefügt, die ich damit verbringen konnte, mir die Beine in den Bauch zu stehen. Oder zu sitzen. Zwischenzeitlich auch liegen.

Etappe, die letzte: Motiviert nicht, geschönt versucht, no #nofilter.
Etappe, die vierte: Motiviert nicht, geschönt versucht, no #nofilter.

Und nach zwölf bis hundert kurzen Stunden ging es schon wieder weiter und ich bin am Endziel meiner Reise angekommen. Fast. Eine kurze Autofahrt später, war ich am Endziel. Fast. Denn wir, das heißt ich, Andrés Mutter und Schwester (ja, ihr seht richtig: Der Brasil Boy selbst war tatsächlich noch nicht anwesend und hat mich, quasi, ins kalte Wasser geworfen – kaltes Wasser meint hier seine herzliche Familie) haben bei dessen Großmutter übernachtet. Und haben die nächsten Tage im Kreise seiner Familie verbracht – inzwischen mit André. Was vielmehr bedeutet, dass wir die Tage essend verbracht haben. Was meine anfänglichen Bemühungen um eine gesunde Ernährung (jaja, manchmal hat man wohl so Momente und erliegt eben doch dem Gruppendruck – scheinbar ist #healthyliving [Achtung: Englisch, zu Deutsch: gesundes Leben] inzwischen hochmodern und alle coolen Kids [Achtung: Englisch, zu Deutsch: kühle Kinder] tun es) komplett über Bord geworfen hat. Wobei das schon vorher passiert ist: Immerhin habe ich mir während meines Aufenthalts in Sao Paulo in einem bekannten Fast-Food-Unternehmen einen Namen gemacht.

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Da werden die Augen groß.
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Tapioca – Liebe meines Lebens.
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Haus am See oder Fluss oder Gewässer

Zurück zum Thema: Wir sind erst gestern Abend (brasilianischer Abend, europäische Nacht), nach kurzem Zwischenstopp auf einem Geburtstag von Bekannten seiner Familie (spricht sicherlich für uns als Partygäste, dass wir dort ein kurzes Nickerchen gehalten haben), am eigentlichen Endziel angekommen: Andrés Wohnung. Die wir wiederum, neben Mitbewohnern, nun auch mit seiner Mutter teilen mussten. Die uns mit dem Auto gefahren hat.

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Blick aus dem Fenster. Foto aus dem Fenster.
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Glückspilz

Und wer glaubt, dass mein Vormittag bisher langweilig war, täuscht sich gewaltig: Da wir gerne noch mit Andrés Mutter frühstücken wollten, haben wir uns auf den Weg zu einer ortsansässigen Bäckerei gemacht. Nicht zu Fuß, immerhin stand uns ein Auto zur Verfügung. Nachdem wir rund 40 Minuten durch die eng und engeren Straßen und Gassen von Ribeirao Preto gesaust sind, hat der Brasil Boy doch tatsächlich festgestellt, das seine auserwählte Bäckerei in den zwei Jahren, seit seinem letzten Besuch, geschlossen hat. Weswegen wir also, letztendlich, zurück zu seiner Wohnung sind und, immerhin im Sauseschritt, in eine Bäckerei in Laufnähe sind. Andrés Mutter ist inzwischen über alle Berge (mit den sieben Zwergen oder auch nicht) und auch der Brasil Boy selbst hat mich meinem Schicksal überlassen: Dem Gasherd. Immerhin hat er mir ein Feuerzeug für Dummies gekauft, es sollte also eigentlich funktionieren. Eigentlich. Noch versuche ich mir einzubilden, dass ich keinen Hunger habe. Noch. Até logo und viel Liebe. Und Scheine.

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